Trachten des Mindener Landes



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Das Wesertal bei Petershagen

Das Mindener Land ist eine Region im nördlichen Zipfel Westfalens und deckt sich heute etwa mit dem politischen Kreis Minden-Lübbecke, der in weiten Teilen aus dem ehemaligen Fürstentum Minden hervorgegangen ist. Das Mindener Land wird von dem Weser- und Wiehengebirge dominiert, das die hügelige Ravensberger Mulde von der norddeutschen Tiefebene trennt. In der Bergkette öffnet sich die Westfälische Pforte und entlässt die Weser in das flache Land. Mittelpunkt des Landes ist die Stadt Minden, eine alte Siedlung an der Weserfurt, die 803 zum Bischofssitz erhoben wurde. Die Diözese reichte von Hannover bis vor Osnabrück und umfasste weite Teile des ostwestfälischen Raumes.
Das Land lebte von einer erfolgreichen Landwirtschaft und Handelsbeziehungen entlang der alten Handelswege.

Die Trachten sind ein auffälliger Aspekt der volkskundlichen Landschaft, die sie repräsentieren, und so wurden von diesem Kleidungsphänomen in der Vergangenheit die prächtigsten Stücke in die privaten und musealen Sammlungen getragen. Grundsätzlich waren die Trachten ja eine Standes- und Repräsentationskleidung, die einen gewissen Luxus zur Schau trägt

Die Trachten des Mindener Landes sind erst zum Ende des 19. Jahrhunderts in das Gesichtsfeld der Volkskundler gerückt, die den unterschiedlichen Kleidungsformen, die sie vorfanden, nun Namen gaben:

Mindener Tracht
Gehlenbecker Tracht
Rahdener Tracht
Lahder Tracht
Friller Tracht
Holtruper Tracht
Bückeburger Trach
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Diese Bezeichnungen haben sich in der Volkskunde durchgesetzt, wenn die Bevölkerung auch oft noch die alten Bezeichnungen gebraucht. Stippenländsket Tüch ist die Lahder Tracht, Maikentüch die Bückeburger Tracht, hägramsket Tüch die Lindhorster Tracht. Die Bezeichnungen wechseln ja nach dem Standpunkt des Betrachters. Gentsietskes Tüch heißt die Mindener Tracht vom rechten Weserufer betrachtet, während die „Linksweserischen“ das rechte Weserufer als Overwiersersken oder „Achterwiersersken“ (über oder hinter der Weser) bezeichnen. Die Grenzen der Trachtengebiete fallen immer mit den Grenzen der Kirchspiele zusammen und so wird die Verbreitung eines bestimmten Trachtentyps auch auf den folgenden Seiten beschrieben.

Die Mindener und die Gehlenbecker Tracht werden unter dem Oberbegriff Mindener Trachten zusammengefasst, stellen mit fast 30 Dörfern die größte Gruppe im Mindener Land dar und kommen nur dort vor. Die Rahdener und die Lahder Tracht sind zwar eng miteinander verwandte Formen, werden aber von den Volkskundlern getrennt behandelt. Zu den Schaumburger Trachten gehören die Friller, die Holtruper und die Bückeburger Tracht, von denen die Holtruper Tracht in Schaumburg gar nicht und die Friller Tracht nur in einem schaumburger Dorf vorkommt. Die Lindhorster Tracht kommt als einzige der Schaumburger Trachten nur dort vor und wird daher nicht unter den Trachten des Mindener Landes gezählt.

Verglichen mit dem benachbarten Schaumburger Land hat das Mindener Land eine wesentlich differenzierte volkskundliche Landschaft, die durch die 7 Hauptgruppen (Friller, Bückeburger, Holtruper, Mindener, Lahder, Rahdener, Gehlenbecker Tracht) der Trachtengebiete vertreten wird, denen nur 3 Hauptgruppen (Bückeburger, Lindhorster, Aplener Tracht) in Schaumburg in einer in der Größe vergleichbaren Region gegenüber stehen.

Die Trachten sind zuletzt im östlichen Mindener Land in den 1990er Jahren ausgestorben.

Viele Volkskundler haben sich in der Vergangenheit mehr mit der Beschreibung der Kleidung und des damit verbundenen Brauchtums beschäftigt. Das ist heute zweifellos eine wichtige Quelle, aber die Erforschung der Kleidungsentwicklung ist dabei meist unberücksichtigt geblieben.

Das volkskundliche Objekt selbst befindet sich heute in einem Spannungsfeld zwischen der modernen Volkskunde und den Trachtengruppen, die je nach Zielsetzung durchaus gegensätzliche Ansichten zu dem Thema haben, ohne sich oftmals intensiv mit einer Grundlagenforschung zu befassen.


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Fotos von oben links nach unten rechts: Details von Frauenmützen der Friller, Holtruper, Rahdener, Bückeburger, Lahder und Gehlenbecker Tracht.


© für alle Fotos: Jürgen Sturma, Minden