Der Knopfmacher in Leteln



IMG_8929 Knöpfe am „Handingen“ (Ärmelmanschette)

Im Mindener Land und besonders in der Friller Tracht wurden umsponnene Knöpfe getragen, die man gut an den Männerwesten bewundern konnte, wo sie dicht an dicht in zwei Reihen saßen. Reiche Bauern hatten viele Westen mit unterschiedlichen Knöpfen, weniger reiche Personen nur zwei oder drei Westen, denn die Knöpfe waren teuer. Sie wurden in Handarbeit vom Knopfmacher aus Seidengarn und Kamelhaargarn hergestellt. Das Geheimnis ihrer Fertigung wurde sorgsam gehütet. Über Herkunft und Herstellung der Knöpfe war lange nichts in Erfahrung zu bringen. Jetzt gibt es in Leteln wieder einen Knopfmacher.

Diese Knöpfe findet man vereinzelt auch an der Frauenkleidung am Binnewams und an den Handingern, aber die Hauptabnehmer der bunten Knöpfe waren die Männer.
Vornehmlich wurden die Knöpfe mit dem einfachen oder vierfachen Rautenmuster verwendet. Es gibt aber an den älteren Kleidungsstücken auch Knöpfe mit sechs-zackigen Sternen und Glanzfolie, die im späten 19. Jahrhundert nur noch selten verwendet wurden, da die Herstellung noch komplizierter und der Knopf daher noch teurer war.
Besondere Fertigkeit erforderten die schwarzen Knöpfe für den Abendmahlsmantel, oder „Kerkenrock“, für den man 36 umsponnene Knöpfe benötigte.
Mit dem letzten Knopfmacher ist das Handwerk des Knöpfemachens ausgestorben. Nur die Knöpfe sind geblieben und eine Musterkarte eines Knopfmachers im Mindener Museum.
Lange Jahre blieb das Geheimnis um die Herstellung der Knöpfe ungelöst, bis Kontakte zu einem hessischen Knopfmacher den Einblick in die Kunst des Umspinnens der Knöpfe ermöglichte.

Seit etwa 5 Jahren werden in Leteln von einem „jungen“ Knopfmacher wieder die traditionellen Knöpfe in den verschiedenen Mustern und Farben des Friller Gebietes hergestellt. Er dürfte damit der einzige Knopfmacher im Mindener Land sein, vermutlich sogar in Nordrhein-Westfalen.
Auch heute noch ist das Umspinnen der Knöpfe aufwendig und kompliziert. Eigentlich ist es ein Umwickeln und Weben. Ohne Tricks und Hilfsmittel kommt man nicht zum Ziel. Auch heute noch ein wohlgehütetes Geheimnis? Sicher nicht, eher eine Frage von Geduld und Zeit.

Eine besondere Herausforderung sind die schwarzen Knöpfe für den Abendmahlsmantel. Jeder der 36 Knöpfe erfordert ungeteilte Aufmerksamkeit und gute Lichtverhältnisse, also am besten Tageslicht. Nach etwas mehr als einer Stunde hat der geübte Knopfmacher den fertigen Knopf vor sich liegen (Foto rechts). So muss man für alle 36 Knöpfe eine Arbeitszeit von etwa 40 Stunden rechnen. Für 24 Westenknöpfe rechnet man etwa 12-15 Stunden Arbeitszeit, je nach Muster. So sitzt auch heute ein „kleines Vermögen“ an den Friller Männertrachten, sofern man sich für die traditionellen Köpfe entschieden hat..

Die Trachtenkulturberatung im Bezirk Schwaben hat sich intensiv mit dem Thema Knöpfe auseinandergesetzt und eine
Anleitung herausgegeben.

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So entsteht der Knopf für eine Friller Männerweste

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Friller Männerwesten mit neuen Knöpfen vom alten Friller Typ


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Blick in die Knopfwerkstatt



© für alle Fotos: Jürgen Sturma, Minden