Farben in der Tracht



IMG_8016 Knöpfe zur Friller Männertracht


Das Thema „Farben“ ist für die Trachtenkunde unumgänglich. Es geht dabei nicht nur darum die Farben in einen wissenschaftlich fundierten Kontext zu setzen, sondern den Trachtengruppen auch Hilfestellung für Rekonstruktionen oder Verbesserungen ihrer Trachten zu geben.

In den niedersächsischen Trachten treten einige Farben deutlich in den Vordergrund, während andere kaum Berücksichtigung finden. Regionale Besonderheiten spielen eine ebenso große Rolle, wie wirtschaftliche Aspekte und die individuelle Entwicklungsdynamik der einzelnen Trachtenlandschaft. Einige Regionen haben eine besonders konservative Farbpalette bewahrt, während andere Trachtenlandschaften dem jeweiligen Zeitgeschmack vollkommen erlegen scheinen. Es lohnt sich auf jeden Fall eine genaue Analyse der volkskundlichen Regionen durchzuführen, um dem Phänomen der Farbe in der Tracht näher auf die Spur zu kommen.

Trachtengruppen haben zur Wahl der Farben oft ein zwiespältiges Verhältnis. Die Wertvorstellungen des 21. Jahrhunderts, ökonomische Sachzwänge und eine sehr dürftige Quellenlage führen oft zu Ergebnissen, die dem Phänomen „Tracht“ nicht gerecht werden. Oft steht auch der Wunsch im Vordergrund sich mit der Tracht eine regionale Identität zu schaffen. Die Trachtengruppen sind daher geneigt für die Gestaltung der Tracht die Farben der Gemeinde- oder Vereinsfahne zu wählen. Dadurch entsteht nicht nur der Eindruck einer Uniform, was die Tracht nie war, sondern auch ein monotones, ja fast monochromes Bild einer Kleidungskultur, die immer polychrom und dynamisch war.

Die Komplementärfarben spielen eine große Rolle. Aus ihnen entsteht das kontrastreiche Bild einer Kleidungssprache mit seinen Haupt- und Nebenfarben. Eingeweihte konnten und können an den Farben der Kleidung vielfältige persönliche Informationen ablesen, da die Regeln in einer Kleidungsgemeinschaft für alle gleichermaßen galten. Das Wissen ist heute z.T. verloren gegangen oder vom gegenwärtigen Zeitgeschmack überdeckt.
Interessant ist zu beobachten, dass sich Kinder bei der Auswahl der Farben anscheinend wenig beeinflussen lassen. Sie haben eine natürliche Freude an der Auswahl kräftiger Farben, die sie unbekümmert nebeneinander setzen frei nach dem Motto „Je bunter, je besser!“

Die Präsentation zum Trachtenkundeseminar in Schwarmstedt kann man
mit diesem Link herunterladen (zip-Datei).


ergänzende Literatur:

  • Heide Nixdorf, Heidi Müller, Weiße Westen - Rote Roben, Katalog zur Sonderausstellung, Berlin 1983
  • Wolf Lücking, Jürgen Sturma, Trachten im Schaumburger Land, Waxmann, Münster 2002
  • Jürgen Sturma, Lisel Wischmeyer, Die Trachten des Mindener Landes, in: Volkskunst, 2/88, S. 36 – 41, München 1988
  • Jürgen Sturma, Brautkronen in Niedersachsen, in: Informationen zur Trachtenkunde, Heft 1: Brautkronen (I), Bonn 1997
  • Rudolf Helm, Die bäuerlichen Männertrachten im Germanischen Nationalmuseum zu Nürnberg, Heidelberg 1932
  • Miroslava Ludvíková, Mährische und Schlesische Volkstrachten, Lanskroun 2008
  • Josef Hanika, Sudetendeutsche Volkstrachten, Reichenberg 1937